Nachfolge aufschieben oder aktiv angehen?

Nachfolge aufschieben oder aktiv angehen?

Warum Abwarten 2026 teuer werden kann

Ich spreche regelmäßig mit Unternehmerinnen und Unternehmern, die seit Jahren erfolgreich ein mittelständisches Unternehmen führen. Viele von ihnen sind über 50, das Unternehmen läuft stabil, die Kunden sind treu, die Mitarbeitenden erfahren. Und trotzdem taucht ein Gedanke immer häufiger auf: „Irgendwann muss ich mich mit der Nachfolge beschäftigen.“

Dieses „irgendwann“ ist verständlich. Es fühlt sich sicher an. Gleichzeitig ist es eine Entscheidung – auch wenn sie nicht bewusst getroffen wird. Genau darum geht es in diesem Beitrag: einzuordnen, warum das Aufschieben der Nachfolge reale Kosten verursacht und warum frühes Handeln keine Einschränkung ist, sondern Handlungsspielraum schafft.

Im ersten Drittel dieses Artikels finden Sie auch eine vertiefende Einordnung dazu, was guter Deal Support im M&A-Prozess leistet.

Warum viele Unternehmer die Nachfolge aufschieben

In Gesprächen höre ich immer wieder ähnliche Sätze:

„Ich bin noch nicht so weit.“
„Das Unternehmen läuft doch gut.“
„Darum kümmere ich mich nächstes Jahr.“

Diese Gedanken sind emotional nachvollziehbar. Wer über Jahrzehnte Verantwortung getragen hat, verbindet mit dem Unternehmen nicht nur Zahlen, sondern Identität, Stolz und Verpflichtung. Strategisch betrachtet birgt dieses Aufschieben jedoch Risiken, die oft unterschätzt werden.

Nicht, weil etwas „schiefgehen muss“, sondern weil Zeit nie neutral wirkt. Während Entscheidungen vertagt werden, verändern sich Rahmenbedingungen – leise, aber stetig.

Aufschieben ist auch eine Entscheidung – mit Konsequenzen

Viele Unternehmer unterscheiden intuitiv zwischen Abwarten und Timing. In der Praxis ist das ein entscheidender Unterschied.

Bewusstes Timing bedeutet, sich aktiv mit Optionen zu beschäftigen, ohne sich festzulegen. Abwarten hingegen bedeutet, Entscheidungen äußeren Faktoren zu überlassen: dem Markt, dem eigenen Energielevel oder unvorhersehbaren Ereignissen.

Zeit wirkt dabei auf mehreren Ebenen gleichzeitig:

  • Das eigene Alter verändert die Wahrnehmung von Käufern.
  • Märkte entwickeln sich weiter, oft schneller als erwartet.
  • Käuferanforderungen an Transparenz, Struktur und Übergabefähigkeit steigen kontinuierlich.

Wer früh plant, steuert diese Faktoren. Wer wartet, reagiert.

Was Abwarten konkret kostet

Wertverluste durch Zeit

Ein zentraler Punkt ist die zunehmende Inhaberabhängigkeit. Je länger Nachfolgefragen ungeklärt bleiben, desto stärker konzentrieren sich Wissen, Beziehungen und Entscheidungen bei einer Person. Für Käufer bedeutet das Risiko.

Hinzu kommt oft eine fehlende Übergabefähigkeit: Prozesse sind nicht dokumentiert, Verantwortlichkeiten nicht klar verteilt, Führung nicht ausreichend aufgebaut. Das macht ein Unternehmen weniger attraktiv – unabhängig davon, wie gut es operativ läuft.

Ich habe mehrfach erlebt, dass Unternehmen mit stabilen Zahlen trotzdem Bewertungsabschläge hinnehmen mussten, weil Käufer das Risiko der Übergabe höher eingeschätzt haben als den aktuellen Ertrag.

Verlust von Optionen

Abwarten reduziert nicht nur den Wert, sondern auch die Auswahl.

Caselet 1:
Ein Unternehmer begann frühzeitig, sich mit seiner Nachfolge zu beschäftigen. Ohne Verkaufsdruck. Das Ergebnis: Gespräche mit strategischen Käufern, Optionen für eine externe Nachfolge und die Möglichkeit, intern Führung aufzubauen. Am Ende konnte er wählen – zwischen mehreren Wegen.

Caselet 2:
Ein anderer Unternehmer wartete, bis externe Faktoren den Ausschlag gaben. Zu diesem Zeitpunkt kam faktisch nur noch ein Käufer infrage. Der Verhandlungsspielraum war begrenzt, der Preis lag deutlich unter den ursprünglichen Erwartungen.

Der Unterschied lag nicht im Unternehmen selbst, sondern im Zeitpunkt der Auseinandersetzung mit der Nachfolge.

Warum 2026 ein kritisches Jahr sein kann

Ohne Prognosen oder Dramatisierung lässt sich festhalten: Der Mittelstand steht vor strukturellen Veränderungen.

Die demografische Entwicklung führt dazu, dass viele Unternehmen gleichzeitig über Nachfolge nachdenken. Käufer haben dadurch mehr Auswahl und werden selektiver. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Transparenz, saubere Zahlen und klare Strukturen.

Studien wie die von KfW Research zur Nachfolge im deutschen Mittelstand zeigen, dass ein erheblicher Teil der Unternehmer die Übergabe zu spät angeht. Auch die DIHK weist seit Jahren darauf hin, dass fehlende Planung zu ungeplanten Stilllegungen oder Notlösungen führt. Globale Analysen, etwa von PwC zu M&A-Trends, unterstreichen, dass Käufer stärker filtern und Risiken konsequenter einpreisen.

All das bedeutet nicht, dass 2026 „schlecht“ wird. Es bedeutet, dass gute Unternehmen weiterhin gefragt sind – aber nur, wenn sie vorbereitet sind.

Frühzeitig planen heißt nicht sofort verkaufen

Ein häufiger Denkfehler ist die Gleichsetzung von Planung und Verkaufsstart. In der Praxis ist das Gegenteil der Fall.

Frühe Planung schafft Freiheit. Sie ermöglicht:

  • gezielte Wertsteigerung statt hektischer Optimierung,
  • Strukturierung von Führung und Prozessen,
  • eine saubere, steuerbare Übergabe,
  • bewusstes Timing statt Reaktion unter Druck.

Viele meiner Gespräche drehen sich zunächst gar nicht um den Verkauf, sondern um Einordnung: Welche Optionen habe ich? Welche Zeiträume sind realistisch? Was wäre sinnvoll – unabhängig davon, ob ich verkaufe oder nicht?

Wie ExitBuddies Unternehmer in dieser Phase unterstützt

In dieser frühen Phase geht es nicht um Transaktionen, sondern um Klarheit. Mit ExitBuddies unterstütze ich Unternehmer dabei, eine realistische Standortbestimmung vorzunehmen und die verschiedenen Nachfolgeoptionen einzuordnen:

  • externer Verkauf,
  • externe Nachfolge,
  • interne Übergabe.

Dabei entstehen keine Verpflichtungen, sondern ein klarer Blick auf Zeitachsen, Anforderungen und mögliche Konsequenzen. Ziel ist es, Entscheidungen bewusst treffen zu können – nicht sie hinauszuschieben.

Fazit – Wer früher denkt, entscheidet später besser

Nicht der frühe Verkauf ist riskant.
Riskant ist die späte Entscheidung.

Das Aufschieben der Nachfolge kostet oft mehr, als man zunächst sieht: an Wert, an Optionen und an Verhandlungsspielraum. Frühzeitige Auseinandersetzung dagegen erweitert Möglichkeiten und reduziert Druck.

Wenn Sie sich unverbindlich einordnen möchten – ohne Verkaufsabsicht, ohne Dringlichkeit –, ist eine sachliche Standortbestimmung oft der sinnvollste erste Schritt. Ein Gespräch zur Einordnung, nicht zum Verkauf, schafft Klarheit. Und Klarheit ist die beste Grundlage für jede spätere Entscheidung.

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