Unternehmenswert berechnen: Der Ratgeber

Unternehmenswert berechnen: Der Ratgeber

Einen Firmenwert korrekt zu berechnen ist eine der wichtigsten Grundlagen für erfolgreiche Unternehmenstransaktionen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Methoden zur Berechnung des Unternehmenswertes sinnvoll sind und worauf Sie als Unternehmer achten sollten.

Warum ist die Berechnung des Firmenwertes so wichtig?

Die korrekte Berechnung des Firmenwertes stellt einen entscheidenden Faktor bei Unternehmensverkäufen, -käufen und der Nachfolgeplanung dar. Als Unternehmer steht für Sie dabei viel auf dem Spiel: Ein zu niedrig angesetzter Firmenwert kann das Lebenswerk vieler Jahre entwerten, während ein unrealistisch hoher Wert potenzielle Käufer abschreckt. Laut einer IHK-Studie fordern rund 43% der Senior-Unternehmer einen überhöhten Verkaufspreis – ein häufiger Grund für das Scheitern von Unternehmensverkäufen.

Die Berechnung des Unternehmenswertes bildet daher die Grundlage für:

  • Eine realistische Preisvorstellung beim Unternehmensverkauf
  • Die erfolgreiche Planung der Unternehmensnachfolge
  • Klare Verhandlungspositionen bei Finanzierungsgesprächen
  • Eine fundierte Basis für die Due Diligence

Die wichtigsten Methoden zur Berechnung des Unternehmenswertes

Es gibt nicht den einen "wahren" Unternehmenswert. Je nach Branche, Unternehmensgröße und Anlass der Bewertung kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. Wir stellen Ihnen die wichtigsten vor.

Faustformelberechnung: Der schnelle Überblick

Die Faustformel bietet einen ersten Anhaltspunkt für den Wert Ihres Unternehmens. Sie basiert auf dem EBIT-Verfahren:

Unternehmenswert = EBIT (Durchschnitt der letzten 3 Jahre) × Branchenmultiplikator (3,5 bis 7) - Schulden

Diese Methode ist bewusst vereinfacht und eignet sich besonders gut für eine erste Orientierung. Je nach Branche variieren die Multiplikatoren erheblich. Während beispielsweise Softwareunternehmen oft mit Faktoren von 6-7 bewertet werden, liegen produzierende Betriebe häufig bei 3,5-5.

Wichtig zu wissen: Die Berechnung nach Faustformel kann nur ein erster Indikator sein. Für eine fundierte Bewertung sollten immer weitere Verfahren herangezogen werden.

Multiple-Bewertung: Der Branchenvergleich

Die Multiple-Methode ist ein marktorientiertes Verfahren und in der Praxis weit verbreitet. Hier wird der Wert Ihres Unternehmens mit vergleichbaren Unternehmen derselben Branche in Beziehung gesetzt.

Typische Multiplikatoren werden auf Kennzahlen wie:

  • EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern)
  • EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen)
  • Umsatz

angewendet. Die Branchenmultiplikatoren können Sie aus Fachpublikationen wie dem DUB-Magazin oder Finance ermitteln.

Ertragswertverfahren: Der deutsche Standard

Das Ertragswertverfahren nach IDW S1 (Institut der Wirtschaftsprüfer) hat sich in Deutschland als Standard etabliert. Hierbei wird der Unternehmenswert durch Diskontierung der zukünftigen finanziellen Überschüsse ermittelt.

Vorteile:

  • Von Behörden, Banken und Steuerberatern anerkannt
  • Führt oft zu realistischeren Werten als vereinfachte Verfahren
  • Berücksichtigt die zukünftige Ertragskraft des Unternehmens

Im Vergleich zum vereinfachten Ertragswertverfahren, das vom Finanzamt angewendet wird, führt das IDW S1-Verfahren häufig zu geringeren und marktrealistischeren Werten. Dies kann besonders bei familieninternen Nachfolgen zu einer geringeren Steuerbelastung und niedrigeren Abfindungssummen führen.

DCF-Verfahren: Die internationale Perspektive

Das Discounted-Cash-Flow-Verfahren (DCF) wird international häufig angewendet und bewertet den zukünftigen Cashflow, diskontiert auf den Gegenwartswert.

Besonders geeignet für:

  • Größere, langjährig bestehende Unternehmen
  • Betriebe mit kontinuierlichem Wachstum
  • Unternehmen mit gleichmäßigen Gewinnsteigerungen

Für kleinere oder instabile Unternehmen mit wenig systematischer Wachstumsstrategie ist die DCF-Methode weniger geeignet.

Substanzwertverfahren: Der Blick auf die Vermögenswerte

Das Substanzwertverfahren eignet sich vor allem für Unternehmen mit hohen materiellen Werten wie teuren Maschinen oder Immobilien. Hierbei wird der Marktwert aller Vermögensgegenstände abzüglich der Schulden ermittelt.

Unternehmenswert = Markt-/Verkehrswert des Firmenvermögens - Schulden

Die Schwäche dieser Methode: Immaterielle Werte wie Kundenstamm, Marke oder Know-how werden nicht berücksichtigt. Das Substanzwertverfahren eignet sich daher eher als Mindestpreis-Indikator.

Einflussfaktoren auf den Firmenwert

Der Wert Ihres Unternehmens wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst, die über reine Zahlen hinausgehen. Hier sind die zehn wichtigsten Kriterien, die Sie beachten sollten:

Unternehmenswert berechnen: Einflussfaktoren
  1. Anlass der Bewertung (Verkauf, Nachfolge, Finanzierung)
  2. Branchenzugehörigkeit des Unternehmens
  3. Eigenschaften des Kundenstamms (Diversität, Loyalität)
  4. Abhängigkeit vom Unternehmer (Inhabergeführte Unternehmen)
  5. Geschäftsführergehalt (Anpassungsbedarf)
  6. Erzielter Umsatz und Gewinn (Entwicklung der letzten Jahre)
  7. Investitions- und Modernisierungsbedarf
  8. Saisonalität des Geschäftsmodells
  9. Zyklizität der Branche
  10. Umsatzarten (Wiederkehrende Umsätze vs. Projektgeschäft)

Besonders die Abhängigkeit vom Inhaber ist ein kritischer Faktor: Je stärker ein Unternehmen von Ihnen als Inhaber abhängt, desto höher ist das Risiko für einen Käufer – und desto niedriger fällt möglicherweise der Firmenwert aus.

Firmenwert vs. Marktwert: Was ist der Unterschied?

Ein häufiges Missverständnis: Der errechnete Firmenwert entspricht nicht automatisch dem Marktwert oder Verkaufspreis. Während der Firmenwert mit wissenschaftlichen Methoden stichtagsbezogen ermittelt wird, entsteht der Marktwert im Rahmen von Verhandlungen.

Folgende Faktoren beeinflussen den tatsächlichen Marktwert:

  • Angebot und Nachfrage in der Branche
  • Allgemeine Branchenentwicklung
  • Individuelle Entwicklung des Unternehmens
  • Erwartungshaltung des Käufers bezüglich zukünftiger Gewinne

Der tatsächliche Verkaufspreis kann daher vom errechneten Firmenwert nach oben oder unten abweichen. Ohne eine fundierte Firmenbewertung lässt sich jedoch kein realistischer Preis ermitteln.

Expertentipp: Unternehmensbewertung als Verhandlungsvorteil

Eine professionelle Unternehmensbewertung stärkt Ihre Verhandlungsposition erheblich. Sie:

  • Informiert Sie über den aktuellen Ertragswert Ihres Unternehmens
  • Zeigt detaillierte Einflussfaktoren auf die Unternehmensentwicklung
  • Bereitet Sie optimal auf spätere Verhandlungen vor
  • Bildet eine wichtige Basis für die Due Diligence und Finanzierungsgespräche

Durch die kritische Auseinandersetzung mit den Bewertungskriterien können Sie eine am Markt durchsetzbare Kaufpreiserwartung ableiten. Dies vermeidet unrealistische Preisvorstellungen, die zu den häufigsten Hindernissen bei Unternehmensverkäufen zählen.

Häufige Fehler bei der Unternehmensbewertung vermeiden

Besonders für familiengeführte Betriebe und Mittelständler lauern einige typische Fallstricke bei der Unternehmensbewertung:

  • Emotionale Überbewertung: Das eigene Lebenswerk wird oft subjektiv höher bewertet als vom Markt
  • Vernachlässigung zukünftiger Entwicklungen: Die Bewertung nur auf Basis historischer Zahlen
  • Fehlende Berücksichtigung von Privatentnahmen: Besonders bei Personengesellschaften relevant
  • Unzureichende Bereinigung der Geschäftszahlen: Einmaleffekte werden nicht herausgerechnet
  • Mangelnde Dokumentation von Know-how: Verborgenes Wissen wird nicht erfasst
  • Falsche Anwendung von Bewertungsmethoden: Die Methode passt nicht zum Unternehmenstyp

Ein weiterer kritischer Punkt: Das Geschäftsführergehalt. Überhöhte Geschäftsführergehälter können den Gewinn und damit den Unternehmenswert künstlich schmälern. Umgekehrt kann ein zu niedriges Gehalt den Wert verzerren, da ein Nachfolger möglicherweise mehr Kosten einplanen muss.

Fallbeispiel: Unternehmensbewertung in der Praxis

Nehmen wir an, Sie sind Inhaber eines mittelständischen Fertigungsbetriebs mit 45 Mitarbeitern und planen den Verkauf in den nächsten zwei Jahren:

  • EBIT (Durchschnitt der letzten 3 Jahre): 800.000 €
  • Branchenmultiplikator: 4,5
  • Schulden: 500.000 €

Nach der Faustformel ergäbe sich: Unternehmenswert = 800.000 € × 4,5 - 500.000 € = 3.100.000 €

Um einen realistischen Wert-Korridor zu ermitteln, würden wir zusätzlich:

  1. Das Ertragswertverfahren nach IDW S1 anwenden
  2. Eine Multiple-Bewertung mit Vergleichsunternehmen durchführen
  3. Den Substanzwert als Untergrenze bestimmen

Die Ergebnisse könnten ein Spektrum von 2,8 Mio. € bis 3,5 Mio. € ergeben. Dieser Wert-Korridor bildet eine solide Grundlage für die weitere Verkaufsstrategie.

Fazit: Die richtige Unternehmensbewertung als Basis für erfolgreiche Transaktionen

Die Berechnung des Firmenwertes ist keine exakte Wissenschaft, sondern ein Prozess, der verschiedene Perspektiven und Methoden berücksichtigen sollte. Es gibt nicht den einen "wahren" Unternehmenswert, sondern einen realistischen Wert-Korridor, der als Basis für Verhandlungen dient.

Eine professionelle Unternehmensbewertung berücksichtigt sowohl harte Faktoren wie Zahlen und Finanzkennzahlen als auch weiche Faktoren wie Kundenstamm, Marktposition und Abhängigkeit vom Inhaber. Sie hilft Ihnen, Ihr Unternehmen realistisch einzuschätzen und verringert das Risiko gescheiterter Verkaufsprozesse durch überhöhte Preisvorstellungen.

Gerne stehen wir Ihnen für ein unverbindliches Erstgespräch zur Verfügung, um Ihre individuelle Situation zu analysieren und Sie auf dem Weg zu einer erfolgreichen Unternehmensbewertung zu begleiten. Als erfahrene Unternehmer mit zahlreichen erfolgreichen Transaktionen bringen wir nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch praktische Erfahrung mit. Vereinbaren Sie jetzt Ihr persönliches Beratungsgespräch unter www.exitbuddies.de.

FAQ: Häufige Fragen zur Unternehmensbewertung

Wie lange dauert eine professionelle Unternehmensbewertung?

Je nach Unternehmensgröße und Komplexität kann eine fundierte Bewertung zwischen zwei Wochen und mehreren Monaten in Anspruch nehmen. Für eine mittelständische Firma sollten Sie mit 4-6 Wochen rechnen.

Welche Unterlagen werden für eine Unternehmensbewertung benötigt?

Grundsätzlich werden Jahresabschlüsse der letzten 3-5 Jahre, aktuelle BWA, Anlagenverzeichnisse, Gesellschaftsverträge, Geschäftsführerverträge, Kunden- und Lieferantenübersichten sowie eine Unternehmensplanung benötigt.

Welches Bewertungsverfahren eignet sich für mein kleines Handwerksunternehmen?

Für Handwerksbetriebe ist oft der AWH-Standard sinnvoll, der eine Modifikation des IDW-Standards darstellt und die Besonderheiten von Handwerksbetrieben berücksichtigt, wie die starke Inhaberabhängigkeit.

Wie kann ich den Wert meines Unternehmens steigern?

Dokumentieren Sie Prozesse, reduzieren Sie die Abhängigkeit von Schlüsselpersonen (inkl. sich selbst), sorgen Sie für eine diversifizierte Kundenbasis, bereinigen Sie unnötige Kosten und entwickeln Sie wiederkehrende Einnahmequellen.

Sollte ich mehrere Bewertungsverfahren anwenden?

Ja, unbedingt. Die Anwendung verschiedener Verfahren führt zu einem realistischen Wert-Korridor und gibt Ihnen ein umfassenderes Bild des Unternehmenswertes aus unterschiedlichen Perspektiven.

Wie oft sollte ich den Wert meines Unternehmens berechnen lassen?

Auch wenn Sie keinen unmittelbaren Verkauf planen, empfiehlt sich eine grobe Wertermittlung alle 2-3 Jahre. Bei konkreten Verkaufsabsichten sollte die Bewertung aktualisiert werden.

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